Reformation: Sonn- und Feiertage

Eine Woche nach dem Ende der Herbstferien ist Sonntag. Und zwar ist es einer dieser Sonntage, an denen es der Stadt Düsseldorf gefällt, die Geschäfte verkaufsoffen zu halten. Die Messe, die „K“. Für eine begrenzte Anzahl von Sonntagen im Jahr ist das der Stadt erlaubt. Aber war da nicht noch was an diesem Sonntag? Richtig, und selbst der Stadtdechant der katholischen Kirche hat’s gemerkt: die Protestanten haben Reformationstag. Der ist zwar kein Feiertag, aber als „Geburtstag der evangelischen Kirche“, wie meine Tochter ihn nennt, trotzdem ein ziemlich wichtiger Tag.

„Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage“ – dieser Sorge der Kirche, daß die Säkularisierung des Alltags, das allgemeine 24×7 unaufhaltsam weiter voranschreitet, ist ein weiteres Mal ein deutlicher Grund gegeben. Dabei ist die Kirche durchaus bereit zuzugeben, daß unser modernes Leben einiges an Wechsel bedeutet. Verkaufsoffene Sonntage werden wir nicht aufhalten können – und ehrlich, auch wir selbst schätzen ja diese modernen Zeiten. In den Wochenschlußgottesdienst kann man auch am Samstagabend gehen, Busfahrer, Tankwarte, Rettungsdienste, – nicht zuletzt Pfarrer – haben auch keinen freien Sonntag. Dennoch wurde hier eine Grenze überschritten, vielleicht gedankenlos, vielleicht sogar im Alltag von vielen Protestanten unbemerkt. Aber sie sollte uns anregen, uns noch einmal zu fragen, wohin wir steuern.

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2 Kommentare zu Reformation: Sonn- und Feiertage

  1. Clemens Ruhl sagt:

    Lieber Thomas,
    „selbst der Stadtdechant hat’s gemerkt“ – ich denke, er muss da nicht so schlecht wegkommen. Er steht an der Stelle sicher Seite an Seite mit U.Lilie.
    Natürlich ist der Reformationstag ein Feiertag, allerdings kein gesetzlicher und kein freier, so wie Epiphanias und Buß-und Bettag.
    Ansonsten kann ich Deinem Artikel natürlich inhaltlich voll beipflichten. vg Clemens

  2. Thomas Arbs sagt:

    Lieber Clemens, daß es Feiertage gibt, die „nur“ Feiertage sind, keine gesetzlichen, kommt einem Theologen (dir) sicher leichter über die Lippen als dem Manne auf der Straße (in diesem Fall mir). Mich überrascht und erschreckt, welch schlechte Presse „wir von der Kirche“ in dieser Sache kriegen. Hans Onkelbach in der Rheinischen Post zieht sich völlig auf das Argument „zu spät moniert“ zurück, daß Superintendent Lilie sehr wohl schon im Februar gegen die Sonntagsöffnung protestiert hat – wenn auch nur pauschal – muß man in einer Gratiszeitung nachlesen. Vor allem die Leserbriefe zum Thema sind geradezu verheerend. Die uns da als scheinheilig in Grund und Boden schimpfen sind dabei ironischerweise vermutlich dieselben, die sich in der Debatte um Präsident Wulffs Rede sicher auf die Seite des Christentums schlagen würden…

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